Einleitung

Am 17. Mai 1990 beschloss die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Homosexualität von

der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Daraufhin wurde der 17. Mai zum

Internationalen Tag gegen Homophobie (und Transphobie) ausgerufen. Seitdem wurden

viele positive Schritte in Richtung Gleichstellung, Anti-Diskriminierung und Solidarität

getätigt. Insbesondere sind die Streichung des §175 StGB im Jahr 1994, die Gleichstellung

der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit der „klassischen Ehe“ sowie das Allgemeine

Gleichbehandlungsgesetztes (AGG) zu nennen.

Leider sind jedoch Homo- und Transphobie immer noch gängige und alltägliche Formen von

gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Laut der Studie „Coming-out – und dann…?!“1

haben mehr als die Hälfte (55%) der befragten queeren jungen Menschen in ihrer Bildungsoder

Arbeitsstätte bereits Diskriminierung in Form von Beschimpfen, Beleidigen oder

Lächerlich machen erlebt. Gleichzeitig sind die Phasen des Coming-outs noch immer mit

großen Befürchtungen verknüpft: Ein Großteil der LSBTI* Jugendlichen hat Angst von

Freund*innen (74%) oder der eigenen Familie (69%) abgelehnt zu werden.

„Für mich ist es zum einen halt wirklich Leute kennenlernen, bei denen ich mich

sofort um einiges wohler fühlen kann, weil die Frage „Akzeptieren sie meine Sexualität?“

nicht im Raum steht. Und das ist schon ein sehr angenehmes Gefühl. Aber auch halt

Informationen bekommen über was in der Politik passiert, was in der Geschichte von

der LGBTIQ-Szene passiert ist. Und da kriegen wir auch manchmal Vorträge oder eine

Information. Das finde ich auch sehr interessant dabei.“ (Becca, 16 Jahre)2

Im November 2018 hat sich das Queere Netzwerk Wolfsburg (QNW), bestehend aus

Akteur*innen aus der städtischen Verwaltung, der freien Verbands- und Trägerarbeit, der

Jugendauszubildendenvertretung Volkswagen sowie interessierten Wolfsburger

Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegründet. Das gemeinsame Ziel lautet, das Thema

Vielfalt in den stadtgesellschaftlichen Fokus zu rücken und im innerstädtischen Raum ein

queeres Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen.

Da sich der im Folgenden dargestellte queere Jugendtreff aktuell noch in der

Projektentwicklungsphase befindet (Eröffnung ist am 29.11.19) und nicht im Rahmen einer

städtischen Förderung bezuschusst wird, ist das QNW für die weitere Umsetzung auf Drittbzw.

Fördermittel und Sachspenden angewiesen. Das Konzept, das Expert*innen aus der

verbandlichen und städtischen Jugendarbeit zusammen mit Vertreter*innen aus der

Auszubildendenvertretung Volkswagen erarbeitet haben, dient als Planungsbasis.

1 „Coming-out und dann…?!, Deutsches Jugendinstitut e. V., München 2015

2 s. o., S. 18

Der Name

Das QNW hat nach einem Namen gesucht, der sowohl eine Haltung verkörpert als auch

einen hohen Identifikationsgrad bei der Peergroup hat. Wir haben uns für „Loud&Proud“

entschieden und auch schon ein passendes Logo entwickeln lassen. Wir verwenden den

Namen für den Treff und für alle Wolfsburger Veranstaltungen zum Thema Vielfalt.

Das partizipative Angebot

Der queere Treff soll keine Jugendeinrichtung im klassischen Sinne darstellen. Je nach

Interessen- und Bedürfnislage der Peergroup ist geplant, das Angebot zielgruppengerecht zu

gestalten und es bei Bedarf flexibel anzupassen. Partizipation ist ein wichtiger Baustein in

unserer Arbeit und gleichzeitig eine durchgängige Aufforderung an die Nutzer*innen unserer

Einrichtung. Sie entscheiden in hohem Maße über Inhalte, Gestaltung und methodische

Umsetzung der gemeinsamen Themen. Des Weiteren bieten wir Ansprechpartner*innen bei

Fragen zum Coming-out, Mobbing oder blöder Anmache.

Die Basis bildet ein Aufenthaltsort mit caféähnlichem Charakter, der zur selbstbestimmten

Freizeitbeschäftigung ohne Konsumzwang einlädt. Daran angegliedert, soll es eine queere

Jugendgruppe geben, die die Räumlichkeit als Treffpunkt nutzen kann. Das Angebot ist frei

zugänglich und hat einen niedrigschwelligen Charakter.

Mögliche niedrigschwellige Veranstaltungsformate könnten sein:

Queer Cinema, Ideenschmiede (Austauschrunde zu Projekt- und Veranstaltungsideen),

Elterngruppe für/von LSBTI*-Jugendlichen, Spieleabende, Public-Viewing (z. B. Frauen-WM,

Eurovision Song Contest etc.), CSD-Warm-Up (Veranstaltung vor dem jährlichen CSD),

Vernetzungstreffen/ Runder Tisch (für alle Gruppen, Ehrenamtler*innen und Engagierte),

Kneipenabend, Loud&Parties (die zurzeit bereits in Kooperation mit dem Hallenbad im

Sauna-Klub stattfinden), CSDHopping, „QueerPartyGang“ – Gemeinsames Warm-Up +

Anreise zu den regionalen Gay-Partys, Coming-Out-Beratung.

Um die jugendliche Zielgruppe bestmöglich erreichen zu können, planen wir für den Treff

zunächst Öffnungszeiten am späten Nachmittag/frühen Abend mit dem Schwerpunkt am

Wochenende.

Die Trägerschaft

Das Angebot, an dem verschiedene Kooperationspartner*innen beteiligt sind, läuft

federführend über die Trägerschaft der Aids-Hilfe Wolfsburg e. V., Kleiststraße 13, 38440

Wolfsburg, die auch Mieterin der Räumlichkeiten ist und dort ihren Vereinssitz hat.

Die Kooperationspartner*innen

Das Queere Netzwerk Wolfsburg (QNW) besteht aus unterschiedlichen Partner*innen der

Jugend- sowie der Präventionsarbeit und hat es sich zum Ziel gemacht, bewusst für Vielfalt

einzustehen und die Bürger*innen der Stadt Wolfsburg über das Thema sexuelle Identität

(LSBTI*) zu informieren und sensibilisieren. Dazu zählen aktuell:

• Jugendförderung/Stadt Wolfsburg,

• Jugendauszubildendenvertretung VW (JAV VW)

• Aids Hilfe Wolfsburg e. V.

• Hallenbad – Kultur im Schachtweg

• Volkshochschule Wolfsburg

Das Netzwerk steht weiteren Partner*innen aus dem inhaltlichen Kontext, die sich im Sinne

des QNW engagieren möchten, offen.

Die Zielgruppe

Das Angebot ist grundsätzlich offen für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen,

unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Weltanschauung,

religiöser Zugehörigkeit, Nationalität, ethnischer Gruppierung, jugendkultureller Ausrichtung

oder Beeinträchtigung.

Laut einer Umfrage des 2013 gegründeten Start-ups Dalia (www.daliaresearch.com) aus dem

Jahr 2016 zur LSBTI*-Quote in den EU-Ländern beträgt der Anteil in Deutschland 7,4%

Die Zielgruppe, die wir erreichen möchten, sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter

von 14 bis 27 Jahren sowie Eltern mit Kindern bis 18 Jahre.

Nach der Berechnungsgrundlage der Statistikstelle der Stadt Wolfsburg (Stand: 05.08.19)

wären das 1.383 Wolfsburger Jugendliche und junge Erwachsene sowie 928 Eltern, die

Interesse an einem niedrigschwelligen Beratungsangebot haben könnten.